Immer einen Schritt zurücktreten: Wie man gesund digital lebt

Disruption, Digitalisierung, Web 4.0 – diese Schlagworte sind omnipräsent, wenn es um neue Zukunftschancen geht. Doch nicht nur Chancen sind damit verbunden, auch Bedrohungen, z.B. für Körper und Geist. Über eine gesunde digitale Arbeitskultur referierte Miriam Nagler deshalb am 2.8.2016 auf dem Werkabend des Isarnetzes.

Von: Daniela Heggmaier

Digitale Transformation – nicht alle sind sich darüber im Klaren, was diese Veränderung eigentlich persönlich und beruflich für sie bedeutet. Miriam Nagler, Expertin für die Verbindung von Kommunikation, Führung, Achtsamkeit und Gesundheit, hat sich deshalb auf den Weg gemacht: Sie will Unternehmenskulturen den Spirit vermitteln, der der digitalen Transformation zum Erfolg verhelfen kann. Im Mittelpunkt ihres Vortrags auf dem Isarnetz Werkabend stand deshalb die Frage: Wie können wir Kommunikationstechnik, Mindset und Gesundheit so kombinieren, dass Mitarbeiter eine glückliche Zukunft erleben?

Diese Frage ist wichtig, denn wir stehen vor einer Reihe „digitaler“ Probleme, die unserer Wirtschaft schaden:

  • Die Sucht, zu mit dem Handy zu spielen, permanent online und erreichbar zu sein, auf Emails zu reagieren oder Online-Rollenspiele zu spielen. Eine Sucht, die uns nicht nur die Fähigkeit zur Konzentration sondern auch unsere Aufmerksamkeit raubt. Miriam Nagler zitiert eine Studie von Microsoft, die belegt, dass unsere Aufmerksamkeitsspanne mittlerweile geringer ist als die eines Goldfisches. Diese sank nämlich seit dem Jahr 2000 von durchschnittlich 12 Sekunden auf nur noch 8 Sekunden. Die Onlinesucht führt zu Verhaltensstörungen, zur Vernachlässigung sozialer Kontakte, zu Aggressivität, schlechter Laune, Nervosität oder Schlafstörungen.

 

 

  • Empathieverlust: Zahlreiche internationale Studien belegen eine Verbindung von Bildschirmnutzung und Depression. Wir schreiben uns alle nur noch Emails, Whatsapp-Nachrichten oder kommunizieren auf anderen sozialen Plattformen – schriftlich. Und sprechen wir noch miteinander? Leider immer weniger, das bestätigten auch die Teilnehmer des Werkabends. Doch wir sollten reden, denn Sozialkontakte sind einer der wirksamsten Schutzmechanismen gegen Stress, der wiederum ein wesentliches Risiko für das Auftreten von Depression darstellt.

Miriam Nadlers Ansatz: Wertschätzend kommunizieren. Sie führte uns in einem Experiment, das alle Werkabend-Besucher in intensiven Austausch brachte, vor, wie glücklich Kommunikation macht, wenn sie wertschätzend ist.

Wer wertschätzend kommuniziert, motiviert andere nicht nur zu guter Leistung, er senkt gleichzeitig auch den Stress des Gegenübers. Denn durch die entgegengebrachte Wertschätzung und Empathie schüttet die Hirnanhangdrüse mehr von dem Bindungs-Hormon Oxytocin aus, was körperlichen Stress und Aggressivität verringert.

Likes schaffen Bindungen

Diese gesundheitsfördernde Form der Kommunikation vermittelt Miriam Nagler den Firmen, die sie berät. Aber sie transportiert das Bindungshormon auch in die sozialen Intranets der Unternehmen, in den Mitarbeiter sich gegenseitig mit Likes motivieren können. Dort haben sie auch die Möglichkeit, sich gegenseitig besser kennenzulernen und Fans und Follower von Führungskräften oder einzelnen Projekten zu werden.

Je mehr Digitalisierung, desto mehr Gedankenhygiene – das fordert Miriam Nagler, denn sie weiß, dass durch die neue Fülle der Entscheidungen, die wir heute treffen müssen, mehr Selbstmanagement und Selbstdisziplin denn je von uns gefordert wird: Immer mal wieder einen Schritt zurücktreten, eine Pause einlegen, reflektieren, Grenzen ziehen, Regeln definieren und kommunizieren – das rät sie.

Führung spielt bei all dem eine wichtige Rolle: Die Referentin zitierte Professor Dr. Peter Kruse https://spielraum.xing.com/2014/11/stakeholder-statt-shareholder-professor-dr-peter-kruse-im-xing-klartext-video-interview/, der den Wandel vom Shareholder- zum Stakeholder-Modell propagiert, in dem „Persönlichkeit, Planung und Profit“ durch „Information, Iteration und Integration“ ersetzt werden. Sein Führungskonzept fordert die „iterativ testende Agilität“ bei der gemeinsamen Suche nach neuen Führungsmodellen von Mitarbeitern und Führungskräften.

Das Fazit: Einen bewussten Atemzug am Tag nehmen, mehr reden, wertschätzen und achtsam sein! Damit wir bald wieder länger aufmerksam sein können als die Goldfische und gesund digital leben können!

Über die Referentin:

Miriam Nagler ist Gründerin von Digital „M“ Communication & Health. Sie ist Yoga-Lehrerin und Expertin für Wissensmanagement sowie Social Communication und erarbeitet Strategien für eine zukunftsfähige Mitarbeiterkultur von Unternehmen – gesund und digital!

http://www.digital-m-communication.com

 

 

Anmerkung der Isarnetz Website-Redaktion:
 
Vielen Dank an Daniela für diesen informativen Bericht vom Isar:netz//werkabend am 2.8 🙂
 
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