„Es gibt unzählige Beispiele dafür, wie Virtual- und Augmented Reality in Unternehmen eingesetzt wird und es kommen täglich neue Lösungen hinzu.“

Allissia Iljaitsch, Referentin beim ersten Münchner Digital Dialog am 16.5. in der Freiheizhalle über die Erarbeitung von Produktentwicklungsstrategien für den Einsatz neuer Technologien und den gezielten Aufbau innovativer Teams. Ihre Mission ist es, Mensch-Maschine-Interaktion auf eine neue Ebene zu heben. Sie entmystifizieren VR, AR und künstliche Intelligenz in Unternehmen.
 
Ulrike Meinhardt für den Isarnetz Blog im Gespräch.
 

Frau Iljaitsch, Sie sind Expertin für digitale Innovation und spezialisiert auf die Erarbeitung von Produktentwicklungsstrategien für den Einsatz neuer Technologien und den gezielten Aufbau innovativer Teams. Ihre Mission ist es, Mensch-Maschine-Interaktion auf eine neue Ebene zu heben. Sie entmystifizieren VR, AR und künstliche Intelligenz in Unternehmen. 

Frage:

Fast täglich erreichen uns Prognosen zu neuen Technologietrends: “Es ist soweit, bald kommen die Killerroboter!” oder “Virtual Reality, das ist doch nur was für Gamer?!” Können Sie uns ein paar Beispiele nennen, wie Virtual & Augmented Reality oder Artificial Intelligence tatsächlich Einzug in Unternehmen gehalten haben?

Antwort:

Es gibt unzählige Beispiele dafür, wie Virtual- und Augmented Reality in Unternehmen eingesetzt wird und es kommen täglich neue Lösungen hinzu. Die Automobilbranche arbeitet bereits seit Jahrzehnten mit 3D Daten und so genannten „Cave Systemen“ für die Visualisierung von Fahrzeugen und die Luftfahrtindustrie trainiert Piloten seit jeher in Flugsimulatoren. 

Was sich in diesem Jahr verändert hat, ist die Massenverfügbarkeit von Datenbrillen. Noch vor zwei, drei Jahren war diese Technologie extrem komplex und teuer, mittlerweile gibt es VR-Brillen für Jedermann zu erschwinglichen Preisen im Elektronikfachhandel. 

Die interessantesten Projekte für mich sind diejenigen, die sich mit dem Thema „shared virtual presence“ beschäftigen. Die große Fragestellung hier ist, wie wir als Avatare in virtuellen Welten effizient kommunizieren und kollaborieren können.  Wenn wir uns der Antwort nähern, wie wir eine natürliche Kollaboration mit Avataren mit einer echten oder künstlichen Intelligenz schaffen, sehe ich viel Potential für echte Effizienzsteigerung für Unternehmen.

In Zukunft sehe ich unglaublich viel Potential für Startups wie Mindshow (https://mindshow.com), die Nutzern erlauben virtuelle Erzählwelten zu kreieren oder Virtual Bodyworks (http://www.virtualbodyworks.com), geleitet von Mel Slater, einem der welweit führenden Forscher im Bereich VR, der sich mit dem Einsatz von VR für Rehabilitationsmaßnahmen beschäftigt.

Viele Unternehmen – auch kleine und mittelgroße – stehen unter Druck, sich schnell und tiefgreifend verändern zu müssen, schrecken jedoch vor diesen Veränderungen zurück.

Frage:

Was muss geschehen, dass sich auch der deutsche Mittelstand für die neuen Technologien öffnet und wie kann er diese nutzbringend einsetzen. Fehlt hier das Verständnis? Wie begeistern Sie die Skeptiker?

Antwort:

Ich denke, dass Unternehmen in Deutschland in einer sehr guten Position sind, den digitalen Wandel, was auch immer das im Einzelfall heisst, in Angriff zu nehmen und sich organisch und ohne Existenzdruck zu entwickeln. Das hat natürliche seine guten und gefährlichen Seiten, denn erfahrungsgemäß reagieren wir nicht, wenn sie das Licht sehen, sondern wenn sie die Hitze spüren. Und die Hitze spüren die meisten noch nicht. 

Die gute Nachricht jedoch ist, dass es durchaus Unternehmen gibt, die verstanden haben, dass etwas geschehen muss und vor allem, dass die Lösung für das Innovationsproblem nicht in einem externen Innovationslabor im „Silicon –Valley-Stil“ in Berlin oder lediglich durch die Einführung von Design Thinking oder agilen Entwicklungsmethoden liegt. 

Die Kernherausforderung liegt darin, dass Innovation stetige Weiterbildung der gesamten Belegschaft erfordert, denn wer richtig gute Fragen zum Thema VR, AR, Dronen oder AI stellen will, muss erfahrungsgemäß eigentlich schon ungefähr zu 65% an der Antwort dran sein.

Die kollektive Reise der Erwachsenenbildung und das Verlernen von bisher Gelerntem ist ein schmerzhafter Prozess, und meiner Meinung nach das spannendste Feld in der Innovationsindustrie. 

Mit Ihrem Unternehmen IQ Gemini beraten Sie national und international agierende Unternehmen.

Frage:

Welche grundlegenden Unterschiede bestehen zwischen deutschen, bayerischen Unternehmen und US-amerikanischen im Hinblick auf die Offenheit, neue Technologien schnell zu nutzen? Wie schwer ist der Schritt aus der eigenen Komfortzone heraus?

Antwort:

In unserer täglichen Arbeit mit deutschen und US-amerikanischen Unternehmen sehen wir eigentlich keinen großen Unterschied in der Offenheit gegenüber neuen Technologien. Deutschland befindet sich in einer sehr positiven Umbruchszeit, somit treffen wir – besonders bei unseren VR & AR Workshops – in beiden Ländern auf viel Offenheit und Kreativität. 

Was wir in den USA erleben ist jedoch eine Problemstellung, die ich als die nächste Herausforderung für deutsche Unternehmen sehe. In den USA arbeiten wir mit Großkonzernen, die damit kämpfen erfolgreiche, innovative Teams im traditionellen Unternehmen zu integrieren. Hier scheitern etablierte Prozesse wie Design Thinking und Scrum, denn das Kernproblem hier liegt beim Menschen und der Kultur. 

Gemeinsam mit einem großen Automobilkonzern und einem weltweit führenden Anbieter für KI erarbeiten wir gerade ein langfristig angelegtes Programm, dass genau dieses Problem lösen soll. Hier nutzen wir Methoden, die Ausdruck von Emotion, Kreativität und kritisches Denken anregen und somit Kollaboration und Effizienz von innovativen und traditionellen Teams in Unternehmen messbar steigern.

Sie haben in der Vergangenheit ein Konzept für die Generierung von Produktinnovationsideen durch Computerspiele für BMW in München absolviert. Es ging darum, Konzeptideen für Fahrzeuge durch Spiele zu generieren und über das CRM in die Forschung und Entwicklung zu leiten. Nun ist ja BMW ein globales Unternehmen. 

Frage:

Welche Chancen sehen Sie für Unternehmer, Gründer und jeden Einzelnen, und ganz speziell hier in Bayern, in München, die sich der Digitalisierung verschreiben und auf AR, VR und künstliche Intelligenz setzen?

Antwort:

IQ Gemini ist nach Vectorform das zweite innovative Unternehmen mit einem neuen Geschäftsmodell, das ich erfolgreich in München aufbaue. Für mich bietet München einen tollen Mix zwischen Industrie und Kreativkultur und ich freue mich, dass diese Community täglich wächst. Wer in München sucht, der findet schnell und ich freue mich sehr, Teil dieser tollen Gemeinschaft zu sein.

Danke, Frau Iljaitsch, für dieses Interview. 

 
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